Die junge Jane Grey
Die junge Jane Grey kannte ihren Vater nicht persönlich, aber alljährlich erhielt sie von ihm zum Geburtstag einen schönen Brief, der wie vom Himmel herabfiel. Er kam von der fernen und sicherlich wundersamen Insel Rongerik. Briefe sind ein geringer Ersatz für den nahen vertraulichen Umgang, sie sind Prüfungen der Geduld. Ganz besonders wunderte sie sich, daß die Briefe ihres Vaters im Grunde niemals auf die ihren eingingen. Es waren keine Antworten, sie paßten zu ihren Fragen ungefähr wie ein Schuh auf einen Kopf. Doch anerkennend besah sie jedesmal die fremde Marke, stolz auf einen Vater, der eine Südseeinsel bewohnte. Er mußte ein guter Mensch sein, wenn er auch niemals ein Geschenk mitsandte. Herzlich gratulierte er nur, und er denke stets an seine liebe Kleine, als ihr getreulicher Vater. Einmal erzählte er von seinen Perlenfischergeschäften. Es gäbe auf Rongerik für einen Amerikaner allerhand zu tun. Eine Perle lag leider nicht bei. Jane aber wäre am liebsten sogleich hingefahren. Sie erwiderte, sie höre sehr gern, daß ihr Papa in der Fremde so tüchtig vorankomme. Das Leben sei doch viel wichtiger als alles andere, nämlich als die Schule, und seine leibhaftige Insel sei gewiß schöner als Geographie und Geschichte. Ein volles Jahr mußte sie sich gedulden, um dann in seinem nächsten Geburtstagsbrief zu lesen: ob sie auch so gern, wie er in seiner Jugend, in die Schule gehe;