Erster Teil
1 Bis zum Jahr 1897 gab es zwei Familien, eine deutsche und eine französische, welche den Titel »Fürsten von Ermingen« für sich in Anspruch nahmen, nur mit dem Unterschied, daß zu Ende des 18. Jahrhunderts eine dieser beiden Familien erst durch kirchliche, dann auch durch zivilrechtliche Akte den Namen französisieren ließ und Erminge statt Ermingen daraus machte. Ermingen ist ein Marktflecken im westlichen Odenwald, einige Kilometer von Darmstadt entfernt. Die 600 Einwohner haben ihre ärmlichen, aber sauberen Häuschen in ein grünes Tal hineingebaut, das durch einen reißenden Bach, den Kaubach, zwischen den Hügeln gebildet wird. Auf dem höchsten dieser Hügel erblickt der Tourist die Ruinen eines Feudalschlosses, und er wird ohne besonderes Erstaunen in den Chroniken lesen, daß dieses Schloß wie viele andre in den Rheinlanden während des 30jährigen Krieges von den Franzosen zerstört wurde. Aber trotzdem stand das Oberhaupt des Fürstentums – welches aus einigen Wald- und Weidestrecken um das Dorf herum bestand –, Otto von Ermingen, genannt der Einäugige, während der vierten Periode dieses entsetzlichen Krieges in französischen Diensten. Unter dem Oberbefehl Rantzaus wurde das Dorf durch eine jener abenteuernden Räuberbanden niedergebrannt, welche dem Baron von Durlach folgten und je nachdem Freund oder Feind zugrunde richteten, wie es gerade das Bedürfnis des Augenblicks oder die