Erstes Kapitel
Die Allee von drei tausend Schritten. Man hörte in dieser Gegend immer einige Musik, man sah immer irgend einen Federbusch umherschweifen. Die berühmte Allee den drei tausend Schritten, von der schon die Rede gewesen ist, fing unter den Fenstern von Margarethe an und ihr Blick verweilte nur auf angenehmen Gegenständen, wie blühenden Gesträuchen, grünen Landen u.s.w. Es war, als wolle die arme Fürstin durch das Schauspiel anmuthiger Dinge die düsteren Gedanken verjagen, die im Grunde ihren Geistes wohnten. Ein perigordischer Dichter, — Margarethe war in der Provinz wie in Paris immer der Stern der Dichter, — ein perigordischer Dichter hatte folgendes Sonett in dieser Hinsicht gemachte: »Sie will,« sagte er, »durch die Sorge, mit der sie Garnison in ihren Geist legt, die traurigen Erinnerungen daraus vertreiben.« Am Fuße des Throns geboren, die Tochter, die Schwester, die Frau eines Könige, hatte Margarethe in der That tief gelitten. Prahlerischer, als die des Königs von Navarra, war ihre Philosophie minder solid, weil sie nur scheinbar, nur Folge des Studiums, indeß die des Könige in seinem eigenen Boden wurzelte.« Margarethes so sehr sie auch Philosophin war oder vielmehr sein wollte, hatte schon der Zeit und dem Kummer ihre ausdrucksvollen Furchen auf ihrem Antlitz zu ziehen gestattet. Sie war nichtsdestoweniger noch von einer merkwürdigen Schönheit, von einer Physiognomie