Erstes Buch
Der Morgen dämmerte, Mutter Erbacher trat aus der Kammer in die Stube. Den Schluss ihrer Morgenandacht, ein Stück vom Vaterunser, hatte sie noch auf den Lippen, es wurde sanft erledigt und stieg mit einem stillen Seufzer gegen Himmel; dann begann en holdes, wunderliches, rührendes Walten; so auf leiser Sohle geht eine Mutter in der Christnacht durch das Haus, um ihre Kinder, ungesehen und ungehört, mit lächelnder Seele zu beschenken. Der Haushahn krähte zum ersten Male, da war in der Stube das kleine Ecktischchen mit blühweißer Leinwand gedeckt, eine Kaffeetasse von Porzellan mit vergoldeten Rändern stand darauf, ein Löffelchen von Silber, eben erst in die Tasse gelegt, schwankte noch hin und wieder; der Haushahn krähte zum zweiten Male, da stand neben der vergoldeten Kaffeetasse auch eine hochaufgefüllte Zuckerdose auf dem Tisch, reiner, klarer Honig in einem schlanken Glase daneben und überdies auch frische gelbe Butter auf grünen Blättern in einem Teller dabei. Der Hahn krähte zum dritten Male, da regte sich's in der Kammer. Mutter Erbacher horchte, es nahten Schritte, die Klinke der Kammertür wurde ergriffen, da zog sich die Mutter Erbacher leisen, eiligen Schrittes nach der Küche zurück und machte sich mit verlegen-heiterer Miene am Herde zu schaffen; denn sie vermutete, ihr Sohn, ihr Liebling, ihr einziges Kind, seit Kurzem ›Doktor der Rechte‹ werde aus der Kammer treten,