Erstes Kapitel
Als die Kuckucksuhr im Eßzimmer sechs schlug, verlor Chanteau alle Hoffnung. Er erhob sich mühsam aus dem Sessel, in dem er seine Beine, die schwerfälligen Beine eines Gichtkranken, an einem Koksfeuer wärmte. Seit zwei Stunden wartete er auf seine Frau, die nach fünfwöchiger Abwesenheit an diesem Tage ihre kleine Cousine Pauline Quenu aus Paris mitbringen sollte, eine zehnjährige Waise, für die das Ehepaar die Vormundschaft übernommen hatte. "Ich verstehe das nicht, Véronique", sagte er und stieß die Küchentür auf. "Es muß ihnen ein Unglück zugestoßen sein." Das Hausmädchen, eine große Person von fünfunddreißig Jahren mit Männerhänden und einem Gendarmengesicht, nahm gerade eine Hammelkeule vom Feuer, die sonst sicherlich verbrutzelt wäre. Sie schimpfte nicht, aber Zorn ließ die rauhe Haut ihrer Wangen bleich werden. "Madame wird in Paris geblieben sein", sagte sie trocken. "Bei all diesen Geschichten, die kein Ende nehmen und die das ganze Haus durcheinanderbringen!" "Nein, nein", erklärte Chanteau. "Die Depesche von gestern abend teilte mit, daß die Angelegenheit der Kleinen endgültig geregelt ist... Meine Frau muß heute früh in Caen angekommen sein, wo sie haltgemacht hat, um bei Davoine hereinzuschauen. Um ein Uhr mußte sie wieder den Zug nehmen, um zwei in Bayeux aussteigen; um drei müßte Vater Malivoires Reisewagen sie in Arromanches abgesetzt haben, und selbst wenn