Erstes Buch: Irrfahrt
Da lag nun das Meer in unwahrscheinlicher Bläue. Klarheit strömte in Klarheit, Lachen barg sich in Lachen. Aber das Lachen, das am Strande entlanglief, das barg sich nicht. Das gellte in Juchzern, das dröhnte in Gewittern, das schauerte in Kaskaden am Stege dahin, und wer auf den schwankenden Brettern lustwandelte oder auf den ans Geländer gelehnten Bänken spazierensaß, der brauchte nur dem vieltönigen Spiele des Lachens zu lauschen, und seine Seele war schon in Heiterkeit geborgen. Auf einer der Bänke, die sich dem Meere zuwandten, saß eine junge, lichtblonde Frau, nach der Mode jener neunziger Jahre prall gekleidet, mit gelben Schühchen – die waren eben erst aufgekommen – an den schmalen, hochspannigen Füßen, einen weißen Segeltuchhut achtlos in die Wirrnis der schillernden Locken gedrückt. Dessen kreuz- und quergesteppte Krempe stand aufrecht und gab ein lachend liebes Gesichtchen unbefangen einem jeden preis, der sein Auge drauf ausruhen ließ. Die Wangen weiß und rosa, als seien die Farben dem Tuschkasten entnommen. Die Backenknochen slawisch vorgewölbt. Die Brauen dünnbogig und zart gefasert. Die Augen darunter von Grau ins Bläuliche spielend, wie das spiegelnde Himmelsblau es verlangte, nicht groß, doch so offen und so freundlich und so gutgesinnt der ganzen Welt, daß mancher, der vorbeikam, wohlig lächeln mußte, als sei ihm, und gerade ihm, von all der Sonne, die ihn