Erstes Kapitel. Ludwig der Vielgeliebte.
Der Präsident Hénault findet sich bei Gelegenheit seiner Bemerkungen über ehrende Beinamen von Königen und über die Schwierigkeit, nicht nur den Grund, sondern auch die Zeit ihrer Entstehung festzustellen, veranlaßt, in seinem glatten Höflingstone folgende philosophische Betrachtung anzustellen: »Der Beiname Bien-aimé (Vielgeliebter), den Ludwig XV. führt, wird die Nachwelt nicht in gleichem Zweifel lassen. Als dieser Fürst im Jahre 1744 sein Königreich von einem Ende zum anderen durchflog und seinen Eroberungszug in Flandern nur unterbrach, um Elsaß zu Hilfe zu eilen, wurde er in Metz von einer Krankheit aufgehalten, die seinen Lebensfaden jäh abzuschneiden drohte. Bei der Nachricht davon glich Paris unter dem Eindruck des Schreckens, von dem es ganz erfüllt war, einer im Sturm eingenommenen Stadt: die Kirchen hallten wider von Bittgebeten und Wehklagen; Schluchzen unterbrach jeden Augenblick die Gebete der Priester und des Volkes; und aus dieser so liebevollen und zärtlichen Teilnahme bildete sich von selbst der Beiname Bien-aimé, ein Ehrentitel, der alle übrigen, die sich dieser große Fürst erworben hat, noch überstrahlt.«Abrégé Chronologique de l'Histoire de France (Paris 1775), pag. 701. So steht es geschrieben zur bleibenden Erinnerung an das Jahr 1744. Weitere dreißig Jahre sind gekommen und 2 gegangen, und wieder liegt »dieser große Fürst« krank danieder; aber wie