Chapter

Die Fräulein von Rauchenegg

Der Major Johann Ignaz Reichsfreiherr von Rauchenegg warf sich gestiefelt und gespornt und samt seinem ungeheuren Schleppsäbel und den Pistolen im Halfter, wie er eben von einem Ritt aus der Stadt Cham zurückgekehrt war, in das hastig aufgerissene Bett. auf seiner Stirn, darauf die Zornader zum Platzen geschwellt hervortrat, braute ein Gewitter, seine Augen spien Feuer, der graue Schnauzbart stand gesträubt. Er zerrte an dem Halskragen, als wolle er sich vor dem Ersticken bewahren. Mit einer zerknitterten Zeitung schwenkte er sich Luft zu. Seine Töchter beschäftigten sich jammernd um ihn. »Was ist Ihnen zugestoßen, lieber Vater? Was erzürnt Sie so sehr? Ich bitte Sie, beruhigen Sie sich! Sollen wir den Arzt holen lassen?« riefen sie kopflos durcheinander und knöpften ihm dabei den Rock auf, zogen ihm die Reitstiefel aus und schnallten ihm den Säbel und den Gurt mit den Pistolen ab. »Schweigt!« polterte er. »Euer Geseier ragt mich noch mehr auf. Nichts fehlt mir, nichts, nichts! Ein blöder Schwindelanfall, gleich ist er vorüber. Zum Henker, zetert mir nicht die Ohren voll!« Er starrte zu dem seidenen Betthimmel hinauf, dem Zelttuch eines türkischen Paschas einst, das der Ahne vor Belgrad erbeutet und dann daheim über das Ehebett hatte spannen lassen. In der offenen Tür lümmelte ein junger Mann, ein Bein lässig über das andere geschlagen und die Arme verschränkt. »Gewiss hat

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