Die Fastenschwalbe
Beim grellen Silberschein des Vollmonds schimmerte, ein leitender Stern, der gelbe Lichtstrahl durch die Weinranken, welche das Kammerfenster wie ein grünes Netz dicht umspannen. Leise, als ob ein verirrter Kanarienvogel Obdach suche, pickte es an die Scheiben; die schöne Margot fragte schüchtern, wer da sey? und öffnete beherzt, als sie eine wohlbekannte Stimme vernahm. »Was wollen Sie, gnädigster Junker?« sprach sie mit freundlichem Ernst: »hab' ich Sie nicht gebeten, von mir abzulassen, weil mein Vater durch Ihren Herrn Oheim vom Meierhof gejagt wird, wenn Sie Ihre Bewerbungen nicht einstellen?« - »Wozu das fremde Sie, herziges Mädchen?« fragte der Junker entgegen: »Du fändest nur dann Grund, Dich von mir loszusagen, wenn der stolze Vicomte Roailly Deinen Vater nicht bedroht hätte; jetzt aber hast Du ein sicheres Zeichen, daß ich's ehrlich mit Dir meine. Auch haben wir uns so lange nicht gesehen, daß ich einen freudigeren Empfang erwartet hatte.« - »O mein guter Alfred«, seufzte das Mädchen; ein Kuß brannte auf den verlangenden Lippen, Thränen aus Margots Augen bethauten die Wangen des Lieblings. Er aber nahm wieder das Wort: »Jetzt komm' mit mir, Margot. Ich habe die letzten vierzehn Tage nicht verloren. Der ehrwürdige Pfarrer ist gewonnen und harrt unser vor dem Altar; meine Rosse scharren hinter dem Dorf ungeduldig den Boden. Ich entsage der Erbschaft meines Ohms; die