Die Rueckkehr
Das Haus roch nach Lavendel und Vergänglichkeit. Sophie stand im Flur und ließ den Schlüssel in ihrer Hand kreisen, während das Licht durch die staubigen Fenster fiel und Muster auf den Boden zeichnete, die sie als Kind für Landkarten gehalten hatte. Großmutter Else war seit drei Wochen tot, und Sophie war seit zehn Jahren nicht mehr hier gewesen — ein Versäumnis, das sich nun anfühlte wie eine Schuld, die man nicht mehr begleichen konnte.
Die Zimmer waren unverändert, als hätte die Zeit beschlossen, dieses Haus zu umgehen und es stehen zu lassen wie einen Felsen in einem Fluss. Die Häkeldeckchen auf den Kommoden, die Porzellanfiguren im Regal, der Geruch von Großmutters Handcreme, der noch in den Polstern hing — alles war da, und alles war leer, so wie ein Kleid leer ist, wenn die Frau, die es getragen hat, nicht mehr darin steckt.
Sophie begann im Arbeitszimmer. Sie öffnete den ersten Karton und fand Briefe — Hunderte von Briefen, gebündelt mit verblichenen Seidenbändern, sortiert nach Jahren, die bis in die Nachkriegszeit zurückreichten. Die Handschrift war nicht die ihrer Großmutter. Sie gehörte einem Mann, der sich nur mit einem Anfangsbuchstaben unterschrieb: R. Und die ersten Zeilen des ersten Briefes, datiert auf den elften Juni neunzehnhundertsiebenundvierzig, lauteten: Liebste Else, ich schreibe dir aus einer Stadt, die es nicht mehr gibt, mit Tinte, die nach Regen