Erster Teil
I. (Der Ökonom Johannes Duldenhofer zu Grünau schreibt an Herrn Lorenz Rehböckel, Oberförster zu Markwartstein:) Grünau, den 15. September l869. Lieber Freund Laurentius! Es geht jetzt schon in den Herbst hinein und da muß ich Dir doch zu wissen tun, daß ich Deinen Brief zu Ostern richtig erhalten habe. Also Oberförster bist Du worden und geheiratet hast Du auch! Hast Dir wohl Zeit gelassen, lieber Freund, mit der Oberförsterei und mit der Hochzeit! Um so süßer wird er Dir jetzt vorkommen, der neue Stand, der Ehestand nämlich, und auch die hohe Würde und das nahrhafte Einkommen, welches ja die Herren Oberförster haben sollen. Hast es längst verdient, behaupt' ich, eine brave Frau und eine hübsche Lebenszehrung, wobei ich mich Deiner Herzallerliebsten als Unbekannter schönstens empfohlen haben möchte. Es muß schon lange her sein, daß ich Dir nimmer geschrieben habe, oder weißt Du's schon, daß ich bei der letzten Wahl in der hiesigen Gemeinde Ortsvorsteher geworden bin? Auch sonst bin ich ganz ordentlich vorwärts getrippelt in den guten Zeiten. Vor zwanzig Jahren habe ich als kleiner Bauernmaler allhier meinen verehlichten Lebenslauf angefangen, hab' aber standhaft gehaust und gespart und das kleine Anwesen nach und nach vergrößert und auf Anraten meines lieben Vetters, der schon ganz hoch in der Studi ist, schreib ich mich jetzt auf altgriechisch bereits Ökonom. In etlichen