1. Kapitel
Die Messe in dem Kirchlein auf der Fronwiese von St. Lorenzen war zu Ende. An der Stelle, wo das Kirchlein stand, war vor Jahren ein Christusbild gefunden worden, das bei dem frommen Tiroler Landvolk in einem besonderen Ansehen stand, seit Österreich nach langen, stets erneuerten Kämpfen zu Füßen Napoleons lag und Tirol durch den Frieden von Preßburg Friede von Preßburg – Nach der Schlacht bei Austerlitz (2. Dezember 1805), in der die verbündeten Russen und Österreicher geschlagen wurden, sah sich Kaiser Franz II. (1768-1835) gezwungen, auf die Bedingungen Napoleons einzugehen und am 26. Dezember 1805 den Frieden zu Preßburg zu unterzeichnen. Österreich mußte u. a. Venetien an Italien, Tirol und Vorarlberg an das unter Napoleons Botmäßigkeit stehende Bayern abtreten. in das neugeschaffene Königreich Bayern eingefügt worden war. Hatte der neue Herrscher auch alle geschlossenen Wallfahrten und Prozessionen verboten, so konnten seine Beamten doch nicht verhindern, daß an Sonn- und Feiertagen viele Leute aus dem Pustertal und den Nebentälern nach St. Lorenzen kamen, um in dem Kirchlein auf der Fronwiese die Messe zu hören. Auch an diesem Sonntag des Jahres 1807 war die Menge sehr zahlreich, und während nach Beendigung der heiligen Handlung ein Teil den Weg nach dem nahen Bruneck einschlug, auf dessen hochthronendem Schloßturm das blauweiße Banner Bayerns in der klaren Sommerluft