1. Der junge Fürst von Bearn.
Zu Nerac, einem artigen Städtchen in der Gascogne, war ein großes Fest, das heißt, es war alle Tage Fest, weil der König von Frankreich, Karl IX., mit seinem ganzen glänzenden Hofstaate zum Besuche des Hofes von Navarra dahin gekommen war. Der Besuch hatte gute Gründe. Der König von Frankreich brachte der Königin von Navarra ihren jungen Sohn Heinrich, der bisher am Hofe zu Paris erzogen war und den die Königin nun bei sich haben wollte, zurück. Man kann sich also denken, welche Freude es da gab, als die Mutter ihr Kind wieder an ihre Brust drückte. Die Königin Johanna war nicht nur eine zärtliche Mutter, sondern eine wahre Heldenmutter; es ist aller Welt bekannt, wie sie sich betragen, als sie ihren Liebling Heinrich zur Welt brachte. Ihr Vater, Heinrich von Albret, König von Navarra, der damals zu ihr an's Bett trat, und in der Hand eine goldene Schachtel mit einer langen goldenen Kette darin hielt, hatte gesagt: »Sieh, Töchterchen! Singst Du mir bei Deiner Niederkunft ein recht artiges Gascogner Lied, so bekommst Du dies und was darin ist.« Und sie sang, als das Kind erschien. Da legte er ihr auf der Stelle die goldene Kette um den Hals und gab ihr die goldene Schachtel. »Aber,« sagte er, und nahm den Neugebornen in seinen Arm, »dafür behalte ich den hier!« Die Mutter hingegen ließ ihn sich nicht nehmen. Nun war Heinrich groß geworden, zwar erst fünfzehn Jahre alt, aber man