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Einleitung

Nach der so glücklichen Vereinigung von Kastilien und Aragon war Spanien zu Beginn des 16. Jahrhunderts das Land Europas, dem man die größte Zukunft voraussagen durfte. Unter der Herrschaft Karls des Fünften (1516-1556) schien es sich in der Tat zum ersten Reiche der Welt entwickeln zu wollen. Das Land, das noch im Mittelalter voller Unruhe und Wirrwarr gewesen war, begann sich innerlich zu ordnen und zu festigen. Es hatte den Anschein, als ob das Volk im Einzelnen wie in der Gesamtheit zur Erkenntnis gekommen sei, daß der Stolz, einem zur Weltmacht emporwachsenden Staate anzugehören, die Pflicht der Selbstbeschränkung in sich schließt. Es erstand aus der bisher ungezähmten, ziellosen und selbstsüchtigen Masse, aus dem Adel, aus der Geistlichkeit, aus den Bürgern eine kleine Schar von kraftvollen, klugen und zähen Männern, die in der Erweiterung ihres Vaterlandes eine Erweiterung ihres eigenen engen Daseins, ihres Lebenszieles, ihres Glückes sahen und fanden. Wenn sich jene vielversprechende Voraussagung, wie wir wissen, auf die Dauer nicht erfüllt hat, trotz des großen Glanzes, dessen sich Spanien eine Zeitlang erfreute, so hat dies im wesentlichen daran gelegen, daß den wenigen großgeistigen Führern die Masse des Volkes nicht zu folgen vermochte. Es ist schwer, sich eine anschauliche und wahrhaftige Vorstellung Spaniens und seiner inneren Zustände in jenem Zeitalter zu

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