Chapter

Das Erbe Erwacht

Die Nachricht erreichte Lyra an einem Dienstagmorgen, eingewickelt in ein Stück Pergament, das nach Asche und altem Leder roch. Der Bote war bereits verschwunden, als sie die Tür öffnete — nur seine Fußspuren im Tau des Vorgartens bewiesen, dass er überhaupt existiert hatte. Die Worte auf dem Pergament waren in einer Tinte geschrieben, die im Licht der aufgehenden Sonne schimmerte wie flüssiges Silber, und sie konnte sie lesen, obwohl die Schrift keiner Sprache angehörte, die sie je gelernt hatte. Ihr Großvater hatte ihr vor seinem Tod nur eines hinterlassen: eine Warnung. *Wenn sie dich finden, lauf nicht. Laufen zeigt ihnen, dass du weißt, was du bist.* Lyra hatte diese Worte jahrelang für die Phantasien eines verwirrten alten Mannes gehalten. Jetzt, mit dem Pergament in den Händen und einem Zeichen darauf, das exakt dem Muttermal auf ihrer linken Schulter entsprach, begann sie zu verstehen, dass Verwirrung und Wahrheit manchmal denselben Weg gehen. Sie packte wenig ein — einen Rucksack, das alte Tagebuch ihres Großvaters, das Messer mit der geschwärzten Klinge, das immer im Nachttisch gelegen hatte. Als sie das Haus verließ, bemerkte sie zum ersten Mal, dass die Schatten der Bäume in ihrem Garten sich nicht mit der Sonne bewegten. Sie standen still, geneigt in eine Richtung, die kein Kompass kannte, und zeigten alle auf denselben Punkt am Horizont.

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