Erstes Buch: Klugheit und Irrtum
Irre ich, so irre ich mir. Hiob An einem deutschen Sommertage, wo Gußregen und schwüler Sonnenblick wechselten, und das Gefilde zu öfterem halb unter grauen Wolken, halb unter glühendem Lichte lag, gingen mehrere Männer suchend durch die Heide. »Sie muß sich in die Erde verkrochen haben«, sagte der eine, »wir haben doch nirgends eine Spur von ihr gefunden.« »Wenn nur die Alte, die ihr hat wahrsagen müssen, uns nicht angeführt hat«, versetzte ein anderer. »Sie schickt uns vielleicht nach einer falschen Gegend, und hält das Kind unterdessen in ihrer Spelunke verborgen. Ich habe es dem Landrat oft gesagt, er solle das Luder von hier fortweisen zu den Zigeunern nach Friedrichslohra.« »Zigeuner!« rief ein Dritter aus. »Das alte Weib ist so wenig eine Zigeunerin, als deine und meine Frau. Ich habe sie als Unteroffizier dazumal im Kriege recht wohl gekannt. Zu der Zeit war sie unsre Marketenderin. Sie ist aus Halle in Sachsen. Mit Büchern und allerhand Schnurren hatte sie immer ihr Wesen, davon sind ihr die Redensarten sitzengeblieben, und nun tut sie so, als wäre sie von weit her, weil sie merkt, daß es in ihrem Gewerbe dann vor den Leuten besser fleckt. Aber da kommt wieder am Himmel so ein Schlauch hergezogen, laßt uns bei den Bäumen untertreten.« Die Männer bargen sich vor dem Wetter an einer Waldecke. Ihr Gespräch verließ bald die Zigeunerin und das entflohene Kind, dem sie