Erster Teil
Man schreibt das Jahr 1811. In Paris – was sage ich: in Paris? – von Danzig bis Kadiz feiert man mit Feuerwerken und Jubelfesten den Geburtstag des Kaisersohns, der, in den Windeln noch, den prunkvollen Titel eines Königs von Rom erhält. Die Lobhudler im Moniteur, die Prunkredner im Senat wissen nicht, mit welcher Schmeichelei sie bei dieser Gelegenheit aufwarten können. Sie haben schon früher alle erschöpft, und schließlich kennt auch das Französisch nur den Superlativ. Aber einer von ihnen erfindet doch noch etwas Neues: er vergleicht Napoleon mit Gottvater und nennt das Kind den Erlöser und Heiland der Welt, dessen Herrschaft für alle Ewigkeit begründet ist. Die Lichtstadt überstrahlt sich selbst und strahlt ihren Glanz über ganz Europa – im Maß der Entfernung natürlich, so daß, je entlegener ein Land vom Mittelpunkt ist, desto mehr Lichtmangel dort besteht. Und da Preußen – das neue, um die Hälfte verkleinerte Preußen jenseits der Elbe – sehr weit von Paris entfernt liegt, so herrscht dort die trostloseste Finsternis. Der stolze Staat des zweiten Friedrich hängt überhaupt nur noch an einer Laune des Cäsaren. Napoleon weiß nicht, ob er ihn einem seiner Verwandten schenken, ob er den Marschall Davout zum König machen oder das Land als Tauschobjekt für Rußland aufheben soll. Ein Federstrich – und die Dynastie Hohenzollern hat aufgehört zu regieren. Die Existenz des Königs ist