Erstes Kapitel. Die Regentin-Mutter
Die Fürstin hatte ein zierliches Schreibtischchen von violettem, in Silber ausgelegtem Palisanderholz vor das Kamin geschoben, unter dem sie die Füße den knisternden Holzscheiten so nahe als möglich brachte. Das winzige, in höchstem Grad elegante Möbelchen und die unförmlich dicke Schreiberin mit dem nachlässig übergehängten schwarzen Kaschmirschal bildeten einen fast grotesken Gegensatz. Was die schriftstellernde Herzogin an Raum vor dem Kamin frei ließ, war von verschiedenartigen blumigen Seidenkissen belegt mit darauf ausgestreckten kleinen pinscherartigen Hunden verschiedener Spielart, in weiß- und gelbgefleckten oder braunen Zottelfellen, die die hübschen Tiere sich von den Wärmestrahlen des Kaminfeuers wohlig durchglühen ließen, indessen sie höchstens hie und da ein wenig mit den Schwanzfähnchen wedelten, als wie im Traum, oder die zierlichen schwarzen Schnäuzchen zwischen den hängenden Ohren bequemer zurechtrückten auf ihren bunten Lagern. Ein siebentes oder achtes ähnliches Wachtelhündchen, mit blütenweißem feinen Gezottel, lag, unter dem herabfallenden Schal halb versteckt, behaglich in den umfangreichen Schoß der Fürstin geduckt und wurde von dieser in kleinen Schreibepausen zärtlich gestreichelt, wenn die Schreiberin nicht etwa, einem Gedanken nachhängend, zu dem kurbettierenden Louis Quatorze über dem Kaminsims aufblickte – der einzigen großen Malerei in dem Gemach.