Kindheit
Andere hätten ein Buch daraus machen können; aber die Geschichte, die ich hier erzähle, habe ich mit meiner ganzen Kraft gelebt, und meine Tugend hat sich in ihr verbraucht. Ich werde also ganz einfach meine Erinnerungen niederschreiben, und wenn sie stellenweise in Fetzen gegangen sind, so werde ich zu keiner Erfindungskraft greifen, um sie zusammenzustücken oder zu verbinden; die Mühe, die ich auf ihre Zurüstung verwenden müßte, würde die letzte Freude schmälern, die ich mir durch den einfachen Bericht verspreche. Ich war noch nicht zwölf Jahre alt, als ich meinen Vater verlor. Meine Mutter, die nichts mehr in Le Havre zurückhielt, wo mein Vater Arzt gewesen war, beschloß, nach Paris zu ziehen, da sie glaubte, ich würde dort meine Studien besser abschließen können. Sie mietete in der Nähe des Luxembourg eine kleine Wohnung, die Miß Ashburton mit uns teilen wollte. Miß Flora Ashburton, die keine Familie mehr hatte, war ursprünglich die Gouvernante meiner Mutter gewesen; dann ihre Gesellschafterin und bald auch ihre Freundin. Ich lebte bei diesen beiden Frauen mit dem gleichermaßen sanften und traurigen Ausdruck. Eines Tages, ich glaube, es war ziemlich lange nach dem Tode meines Vaters, tat meine Mutter an die Stelle des schwarzen Bandes ihrer Morgenhaube ein malvenfarbiges Band. »O Mama!« rief ich naiv aus; »wie schlecht dir diese Farbe steht!« Am folgenden Morgen trug sie