Die Echte
Am linken Ufer der Niederelbe, zwischen den schiffbaren Küstenflüssen Este und Schwinge, liegt ein ungewöhnlich fruchtbares Stück Erde, das „alte Land“. Wohlerhaltene, festgebaute Deiche schützen es gegen die häufig wiederkehrenden Sturmfluten der Nordsee, wie gegen Ueberschwemmungen der kleineren, das Land in zahllosen Krümmungen durchschneidenden Flüsse, an denen entlang die Bewohner der großen, volkreichen Dörfer sich angesiedelt haben, die sich in Sprache, Sitte, Gewohnheit, Hauseinrichtung und Beschäftigung von ihren nächsten Nachbarn vielfach unterscheiden. Schon der Name dieses merkwürdigen, von der Natur reich gesegneten Landstriches zeugt für sein hohes Alter. Aus noch vorhandenen Ueberbleibseln alter Urkunden und aus Bruchstücken längst vergessener Chroniken läßt sich mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit nachweisen, daß diese fruchtbare Marschgegend des linken Elbbufers schon vor Christi Geburt eingedeicht und bebaut war, während ringsum alles übrige Land noch wüst lag und ein undurchdringliches Chaos von Sumpf, Schilf und Moor bildete. Stolz auf das hohe Alter ihrer Heimath nennen sich noch heutigen Tages dessen Bewohner „Altenländer“ oder in der überall an der Niederelbe gebräuchlichen plattdeutschen Mundart „Ohllander“, während sie die ihnen zugehörende Erde „dat ohle Land“ heißen. In den angrenzenden Districten, sowie in ganz Nordwestdeutschland ist der Name „Obst-