Das Verbrechen
In Wilmersdorf, dort, wo die Güntzelstraße aufhört, den großen, stattlichen Charakter zu tragen und die Straße ein gartenähnliches Aussehen annimmt, steht, von einer alten, niedrigen Mauer umgeben, ein kleines, villenartiges Häuschen inmitten eines etwa 400 Quadratmeter großen Gartens. Dort lebte Hauptmann Paul Meinert in glücklichster Harmonie mit seiner Tochter Toni seit mehreren Jahren, von der Welt vollkommen zurückgezogen, bloß der Pflege seines Kindes und seines Gartens sich widmend. Paul und sein Bruder Julius waren beide gebürtige Berliner und hatten nach ihrer Großjährigkeit, nach dem Tode ihrer Eltern, jeder etwa 50 000 M. geerbt. Während jedoch Julius, der Aeltere, ein etwas nüchterner und gesetzter Mensch, sein Geld in einem Handelshause anlegte, in dem er selbst eine Stellung innehatte, gelang es Paul, in verhältnismäßig kurzer Zeit sein ganzes Kapital als flotter Lebemann durchzubringen, so daß er sich auf einmal vor dem Ruin sah. Das kleine Vermögen seiner verstorbenen Frau reichte jedoch nicht aus, einem Mädchen unserer modernen Zeit die Zukunft zu sichern. Er selbst, der flotte Offizier von einst, hatte sich nach dem Tode seiner Gattin allerdings vollkommen verändert. Sein früherer Leichtsinn war geschwunden. Der frühere Lebemann, nachdem ihn die Tropen gebräunt und abgehärtet hatten, nachdem er viele Enttäuschungen und viele Strapazen durchgemacht hatte, besaß