Die Dobratschrose
Von flutendem Sonnengold übergossen ragt der östlichste Ausläufer der Gailthaler Alpen, Dobratsch genannt, in den lichtblauen Äther; Kärntens Rigi nennt man den wuchtigen Bergkoloß, der als Aussichtsberg unter allen Gipfeln der herrlichen Ostalpen den ersten Rang einnimmt, und dessen Lob der Ausschau in allen Zungen gepriesen wird. Frei nach allen Seiten türmt sich dieser Riese auf, nur durch die Höhe des Bleiberger Thales mit den Gailthaler Alpen zusammenhängend: eine imposante Kuppel, die im Norden steil abfällt, im Süden sich sanfter zeigt bis auf die furchtbare Bruchstelle, an welcher sich durch das gewaltige Erdbeben am 25. Januar 1348 der Dobratsch spaltete, und dessen ungeheuere Felstrümmer in das Gailthal stürzten, alles Leben vernichtend und zerschmetternd. Zahlreiche Dörfer verschwanden im Schutt, ein wirbelndes Chaos rollte über die herrlichen Gelände, die Felstrümmer hemmten den Wasserlauf der Gail zum Stausee, der rückwärts drängend Fluren und Ortschaften verwüstete bis ins mittlere Gailthal. Eine handschriftliche Aufzeichnung des Abtes vom damaligen Kloster Arnoldstein beschreibt jene Katastrophe: »Auf Sankt Paulis Bekehrungstag ist der Berg vor dem Gesichte gegenüber Mitternacht durch ein Erdbüben zerspaltet heruntergefallen, 17 Dörfer, 3 Gschlösser und 9 Gotteshäuser völlig verschütt,– – – der Gailfluß hat sich auch angeschwollen und etlich Tag nicht