Einleitung
Die Geisterwelt ist nicht verschlossen! Wer für das Empfinden und die Dichtung unseres Volkes ein Herz hat, wer seine Lieder gern singt, seine Märchen gern hört oder liest und wohl auch selber wieder erzählt; wer von da aus weiter dem ganzen Leben unseres Volkes seine Liebe schenkt, seinen Sitten und Festen, seinen Anschauungen über Recht und Unrecht, über Gott und Welt und alles Geschehen nachgeht – der trifft immer wieder auf allerlei mit dem Schleier des Geheimnisvollen und Unheimlichen verhüllte Vorstellungen und Geschichten. Er hört von weisen Frauen und Hexen flüstern, die andern Menschen mit ihren Zauberkünsten helfen und schaden, er hört von Toten erzählen, die im Grabe keine Ruhe finden, vom Teufel in seinen verschiedenen Gestalten, von Zwergen und Riesen, Kobolden und Wassernixen; uralte Geschichten, die von den Urgroßeltern noch geglaubt wurden, und allerjüngste Geschichten, an denen auch heute niemand zu zweifeln wagt. Wollte er nun über diese zusammenhanglosen und zufälligen Begegnungen hinaus die ganze Welt des Aberglaubens kennen lernen, die noch in unserm Volke lebt, so sah er sich bisher auf zwei voneinander grundsätzlich verschiedene Gattungen von Büchern angewiesen. Die Mythologien, die von dem Götterglauben unsrer heidnischen Vorfahren erzählen, pflegen nach dem Vorgang Jakob Grimms auch einiges über den heutigen Volksaberglauben zu bringen; die einen, weil