Kapitel 1
Der Bahnhof der Hafenstadt war dem Landungsplatze benachbart. Aus der offenen Halle sah man auf das Meer hinaus, das aus schwankender Ferne Menschen auf festen Boden setzte. Frisch durchweht, in seefester Behaglichkeit oder als Opfer rebellischer Mägen kamen sie direkt vom Wasser die Bahnhofstreppe herauf. Oben wanderten sie vor dem fahrbereiten Zuge auf und ab, mit der Wartezeit rechnend, die ihnen der Bahnanschluß ließ. Von Nordland kamen alle diese Reisenden und verteilten sich im Deutschen Reich. Man sah ihre blonden, rotwangigen Typen jeden Tag. Kaufleute meist – die individueller gefärbten Vergnügungsreisenden nahmen einen anderen Weg auf den Kontinent. Um so mehr fielen in dem gleichartigen Getriebe ungewöhnliche Erscheinungen auf. Der gewissenhafteste Statistiker dieser Landungs- und Abfahrtzeit war Herr Michael Kleinholz, gerichtlicher Bücherrevisor seines Zeichens, aber auch als Gelegenheitsdichter für Festlichkeiten bekannt. Er hatte viele Mußestunden und ernannte sich selbst zur privaten Behörde der Stadt. Wenn das Nebelhorn den nordischen Dampfer ankündigte, stand Herr Kleinholz schon auf der Mole, ernst und gespannt, neben den Zollbeamten. Er betrachtete alle Ankommenden genau und folgte ihnen zum Bahnhof hinauf. Eifrig notierte sich sein Gedächtnis die Kategorie, zu der ein jeder gehörte. Herr Kleinholz war konservativer Demokrat. Der Maßstab seines Urteils blieb