Die deutsche Himmelsmutter
Es war an einem jener Junitage, die den frömmsten Bauern wild machen. Frühmorgens hatte der Wind das Nachtgewölk verjagt, dass nicht einmal in den tiefsten Bergschründen ein Nebelrestchen blieb. Da taten die Talleute nichts, was sich aufschieben ließ und liefen auf die Wiesen, um die nassen Schöber zu zerstreuen. Wer sich an diesem Morgen wusch und kämmte, der wurde von den anderen als ein Tagdieb verflucht. Aber dann verfluchten die Braven ihren eigenen Fleiß. Als die meisten Schöber fein säuberlich verzettelt lagen, trieb der boshafte Wind eine dicke Gewitterwolke heran. Gerade über dem Wiesengrunde ließ er das Unding rasten, damit es sich auf den schönen Heuscheiben entleeren könne. Dann schob er es weiter und machte den Himmel so rein wie am Morgen. Nun wurde das Heu gar eifrig gewendet und geschmissen, damit es vor dem Abende zum Wiederaufschöbern trocken genug werde. Jedoch ehe ein Schober entstand, brachte der teuflische Wind abermals einen Regen. Dann mussten die Emsigen einsehen, dass es weit besser gewesen wäre, wenn sie den Tag verfaulenzt hätten. Der Ruhsam Festl war einer von den wenigen, die sich von dem schönen Morgen zu keiner Eile verleiten ließen. Er traute dem aus dem Böhmischen herwehenden Winde nicht. Sein Weib wollte, dass er diesmal mit nüchternem Magen auf die Wiese renne. Er aber gedachte zu frühstücken wie in der ruhevollsten Zeit. Das Weib begriff ihn