Die Dame in Gruen
Aus dem Französischen von Hanns Heinz Ewers und Maria Ewers aus'm Werth Es war in der Nacht der Sonnenwende, frisch gefallener Schnee bedeckte die Erde. Die weichen, still und unablässig in leichten Wirbeln von dem düstern Himmel herabsinkenden Flocken deckten die weite Ebene mit jungfräulichem Weiß. Die einsame, an beiden Seiten von Fichten umgrenzte Straße entlang zog ein bewaffneter Reiter auf seinem ermüdeten Pferde dahin, beide ganz überdeckt von den weißen Flocken, die wie ein schweres Gewand auf ihnen lasteten. Ganz allein und von der magischen Stille dieser Nacht umgeben, die durch den vom schneebedeckten Boden ausgehenden unbestimmten hellen Schein noch unheimlicher erschien, wurde der Reisende von einer tiefen Traurigkeit erfaßt. Er kam aus Ägypten, wo er jahrelang ein von Abenteuern und Gefahren erfülltes Leben geführt hatte. Ein Fremder, kehrte er in sein eigenes Vaterland zurück, arm, müde und krank. Das Gottvertrauen, das ihn so lange aufrecht erhalten, war allmählich aus seiner Seele entschwunden, die kaum noch von etwas anderem als von Verzweiflung und Reue erfüllt war. Das Pferd verlangsamte seine Schritte mehr und mehr; der Reiter ließ endlich die Zügel hängen; von Müdigkeit erfaßt, ließ er sich durch die langsame rhythmische Fortbewegung seines Rosses sowie durch den weißen schmeichelnden Regen, der ihn umgab und wie mit einem feinen endlosen Netze von allen