Die Candidaten-Braut
An den Ufern der Ostsee liegt in einer Fläche das Städtchen R…a. – Sandfelder umgeben es ringsum, auf denen der Roggen spärlich gedeiht, ein Flüßchen schlängelt sich bescheiden durch dieselben, dessen seichte Ufer Binsen dicht beschatten, hinter denen verborgen ein rohes Steinbild des alten heidnischen Gottes Radegast zu schauen ist. – Kein Punkt bietet sich in der ganzen Umgebung, auf dem das Auge gefesselt weilte, kein Hügel und kein See bildet hier eine Gruppe, die man mit dem Worte „schön“ bezeichnen könnte. Das Städtchen selbst, mit seinen rothen Dächern, und dem geraden hohen Thurm, der sich oben wie plötzlich abdacht, und mit einer mit einem Kreuze versehenen goldenen Kugel verziert ist, steht da, als wäre er von Knabenhand, gleich einer Spielerei, dort aufgestellt. Die Straßen, deren es nur drei zählt, sind still und einsam. – Geht Jemand über dieselben, rollt ein Wagen, verläuft sich ein Kind, so blickt sogleich aus jedem Fenster ein Auge, um die ungewohnte Begebenheit nicht unbeachtet zu lassen. – Der Eingang eines jeden Hauses hat eine Glocke, die das Eintreten eines Fremden verkündet, der dann unaufgehalten an die Thüre des Wohnzimmers klopft und eines Hereins gewärtig ist. Von Handel und Verkehr ist in einem solchen Orte keine Rede. – Was hätte man hier wohl auf den Markt zu bringen? – Jeder Handwerker arbeitet, was sein Genosse von ihm entlehnt und baut daneben