Chapter

Die Burgkinder

Meinen drei Jungen und meinem Kriegsmädel zu eigen Im Wipfel des jahrhundertalten, immergrünen Lebensbaumes sang eine Amsel. Ihr Lied mischte sich mit der lauen Abendluft, die durch den Garten strich und die Weinberge umspann. Von den Hügeln zog es in langanhaltenden, schwellenden und fallenden Tönen ins Rheintal nieder, unbekümmert um den Herbstabend, in dem das letzte Sonnengold verblich, unbekümmert um das müde Schweigen in der Nähe und Weite. Und der Lebensbaum, der hoch hinauf bis an das bemooste Dach des Burghauses ragte, rührte kein Zweiglein und horchte hinaus und hinein, als verstünde sein jahrhundertaltes, immergrünes Holz die kleine Kreatur am besten, der Frühling und Herbst zusammenrann unter Gottes unermeßlichem Himmel. Jetzt schwieg auch sie. Jenseit des Rheins, über Rolandseck, war der fahle Widerschein des Lichtes in sich selber zerflossen. Und ohne zu zögern stieg hinter der Koppel, dem hohen Weinberghügel, der das Burghaus zu schirmen schien, der volle Mond empor und nahm vom Rheintal Besitz und den Höhenzügen zur Rechten und zur Linken. Schneeweiß, in unverbrauchter Jugend, hob sich das wetterfeste Gemäuer des Burghauses aus dem Gewirr der Baumkronen. Längst vermoderte Geschlechter hatten es erbaut, die hinauszublicken verstanden über Tag und Zufall. Grauwacke bildete das Fundament, und meterstarke Basaltklötze schichteten die Mauern. Nach außen aber lachten

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