Erstes Kapitel
»Ick gröte Ju, leiwe Mann!« Etwas Großes, Feierliches, Leuchtendes lag unter dem ehernen Himmel. Der Weizen rauchte, und von den nahen Hügellehnen kam der warme Blust der Roggenschläge herüber. Fern im Nordosten verschwamm im blauen Duft die lange Osningkette. Dunkles Grün zog sich näher heran, während in der Niederung selber, die sich zwischen Ruhr und Lippe erstreckte, der Brinkschultenhof lag, selbstgefällig und trotzig, insichgekehrt und von schwerfälliger Eigenart wie die Herren dieses Anwesens, die schon Jahrhunderte hindurch auf diesem Grund und Boden den Pflug geführt und die Scholle gebrochen hatten. Etwas Grobknochiges ging von diesem Gehöft aus. Mit Ausnahme des Herrenhauses krochen die Nebengebäude wie breit hingelagerte Tiere fast am Boden hin, überragt von knorrigen Eichen, die in regelmäßiger Anordnung und wie stiernackige Bauernknechte so kraus und sparrig eingepfählt waren, als sollte das für die Ewigkeit so weiter gehen. Von hier aus lief freies Land gen Norden zu, eine einzige blanke Fläche, im Volksmund die ›Soester Börde‹ genannt, die nur gen Westen und in der Nähe des Brinkschultenhofes von dem ›Düstermoor‹ durchsetzt war, wo die Kiebitze flogen und die Regenpfeifer ihre melancholischen Stimmen vernehmen ließen. Durch dieses Moor mit seinen Erlenstrünken und Torfstichen streckte sich der Hellweg, eine verwahrloste Straße, die zur Linken nach Unna und