Chapter

Die Blume des Glückes

Acht' auf die Fasten am Felsenrand! In ihren Schoß ist das Glück gebannt. Und wer sie findet zur rechten Stund', Dem wird das Walten des Zaubers kund, Und wer es ausspricht, das rechte Wort, Der wird erringen den goldnen Hort. Drum brich sie mutig, weich' nicht zurück, Denn mit der Blume hältst du das Glück. Der junge Mann, der soeben diese Worte vorgelesen hatte, ließ das Blatt sinken und sagte mit komischer Feierlichkeit: »So, meine Herrschaften, jetzt sind Sie hinreichend unterrichtet und nun handelt es sich nur darum, unter den Tausenden von Blumen die rechte herauszufinden. Was mich betrifft, so werde ich mich schleunigst an das Suchen begeben, sobald dieser wunderliebliche Mai mit seinen Wolkenbrüchen und seinem Unwetter zu Ende ist.« Man befand sich in der That schon am Ende des Mai, aber die letzte Woche hatte nur jene kalten, stürmischen Frühlingstage gebracht, die im Hochgebirge nicht selten sind. Auch heute schlug der Regen gegen die Fenster und in dem wogenden Nebel draußen traten nur hin und wieder die Umrisse der Berge hervor, um in der nächsten Minute wieder zu verschwinden. Um so behaglicher war es hier drinnen, im Salon des Landhauses, das an dem schönsten Punkte des Thales lag. Der geschmackvoll und elegant eingerichtete Raum mit seinen Gemälden, Büchern und Teppichen machte jetzt, in dem trüben Lichte des Regentages, einen ungemein anheimelnden Eindruck.

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