Chapter

Erstes Kapitel

Lucilla’s Geschichte von ihr selbst erzählt. Man wird sich aus meiner Schilderung dessen, was Lucilla bei der ihr ertheilten Unterweisung des Augenarztes im Gebrauch ihrer Augen sagte und that, erinnern daß ihr besonders daran gelegen war, sich die Erlaubniß zu dem Versuch zu erwirken, wie sie schreiben könne. Das Motiv, das sie dabei leitete, war das, von welchem ein liebendes Herz immer geleitet wird. Ihr einziger Ehrgeiz besteht darin, sich dem Manne, den sie liebt, selbst in den geringfügigsten Dingen von der vortheilhaftesten Seite zu zeigen. Das war auch Lucilla’s einziger Ehrgeiz Oscar gegenüber. In dem Bewußtsein, daß ihre bis dahin mühsam und mangelhaft durch ihren Tastsinn geleitete Handschrift einen traurig unvortheilhaften Contrast zu der Handschrift anderer sehender Frauen darbieten müsse, ließ sie nicht ab, Grosse zu bitten, ihr zu erlauben, daß sie »mit den Augen statt mit den Fingern« schreiben lerne, bis es ihr wirklich gelungen war, die Widerstandskraft des würdigen Arztes zu brechen. Die überraschend schnelle Stärkung ihrer Sehkraft während ihres Aufenthalts an der See, von der ich später erfuhr, ließ es gerechtfertigt erscheinen, daß er ihr nachgegeben hatte. Mit unermüdlicher Ausdauer gelang es ihr, während sie täglich ihre Sehkraft mehr gebrauchen lernte, die große Schwierigkeit, mit den Augen« statt mit dem Gefühl schreiben zu lernen, zu überwinden.

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