1. Kapitel.
Sie kam von weit her, von einer Insel. Lange hatte sie dann in einem ernsten, muffigen Dienstzimmer im Verborgenen gelebt. Strenge Beamtenaugen glitten rastlos über sie hinweg. Niemand kümmerte sich um ihre seltene Schönheit, ihre besonderen Reize. Bis dann eines Tages einer sie entdeckte, der volles Verständnis für ihren hohen Wert hatte, der sofort von heftigster Leidenschaft für sie gepackt wurde und nachher – an ihrem Besitz zu Grunde ging. Und noch manches Menschen Schicksal nahm durch sie eine andere Bahn. Sie wurde der Mittelpunkt eines spannenden Dramas. Und doch erfuhr die große Welt nichts davon. Nur wenige wußten, daß mit um ihretwillen Lebensfäden jäh zerrissen worden waren. Ein Franzose gewann sie für sich. Nun wohnt sie in einem der glänzendsten Paläste von Paris als Eigentum eines Mannes, dessen Reichtum sprichwörtlich ist. Keine Prinzessin wird so sorgsam behütet wie sie. Sie hat es weit gebracht. Ob sie zuweilen an das ernste, muffige Dienstzimmer denkt?! * Herr August Müller erschien punkt halb neun wie immer am Kaffeetisch. Frau Klara Müller, schlank, mittelgroß und stets mit einem verschlossenen Ausdruck in dem welken Gesicht, noch in einer seidenen Morgenjacke und mit hellblauen, türkischen Pantöffelchen an den Füßen, wischte nebenan im Herrenzimmer Staub. „Ein Prachtwetter wieder,“ meinte er laut. „Fast zu warm für Mai.“ Er setzte sich, bestrich sehr