Was Buecher Sagen Wenn Niemand Zuhoert
Elis Großvater arbeitete die Nachtschicht in der Stadtbibliothek. Heute Nacht durfte Eli zum ersten Mal mit.
Die Bibliothek war nachts ganz anders.
Die Lampen waren aus. Die Stühle im Lesesaal waren angeschoben. Die große Uhr an der Tür tickte sehr laut, weil es kein anderes Geräusch gab.
Großvater machte Tee auf einem kleinen Campingkocher hinter dem Tresen. Er gab Eli einen Becher.
„Um Mitternacht", sagte er sehr ernst, „reden die Bücher."
Eli lachte.
Großvater lachte nicht.
Elf Minuten vor Mitternacht spürte Eli, wie sich die Luft veränderte. Die Bibliothek wurde noch stiller, so wie ein Raum still wird, kurz bevor etwas geschieht.
Genau um Mitternacht sagte eine ruhige, kleine Stimme: „Ich glaube, jemand hat mich nicht ordentlich behandelt, als er mich auslieh."
Eli zuckte zusammen. Die Stimme kam von einem dünnen Taschenbuch auf dem Wagen.
„Mein Rücken ist verbogen", sagte das Taschenbuch traurig.
„Das tut mir leid", sagte Großvater, der gar nicht überrascht war.
Auch die anderen Bücher fingen an zu sprechen. Vorsichtig. Höflich. Sie hatten Klagen und Beobachtungen, und eines — ein großer Atlas — hatte eine sehr lange Geschichte über Island. Es war schön dort.
Eli ging zwischen den Regalen mit seinem Becher, ganz klein, und lauschte.
„Entschuldigung", sagte ein Gedichtband. „Könnten Sie mich richtig herum drehen?"
Eli tat es.
„Danke", sagte das Buch. „Ich