Chapter

Erstes Kapitel

Stillgesessen Capri!« rief Marcus Phillips, hörte zu malen auf, blickte prüfend von der Leinwand auf das Mädchenantlitz und dann wieder zurück. »Das ist leichter gesagt als getan, Marc,« entgegnete sie vertraulich. »Ich kann ja gar nicht stillsitzen – außer wenn ich ernstlich nachdenke.« »Pflegst du das zu tun?« »Welche Frage! Du denkst wohl, ich sei immer so kindisch, wie hier bei dir?« »Es täte mir leid, wenn du es nicht wärest,« bemerkte er, eifrig weitermalend. »O, Freund, es gibt Tage, an denen ich denke und denke, bis mir der Kopf schmerzt! Nächte, die ich wachend verbringe, von dem einen Gedanken gequält, wie sich mein künftiges Leben gestalten wird!« Sie seufzte bei diesen Worten tief auf und warf den Kopf zurück. »Aber Capri, du hast die Stellung wieder geändert! Du könntest die Geduld eines Fra Angelico auf eine harte Probe stellen. – Blicke etwas mehr nach rechts. – So geht's nicht.« Damit trat der Künstler auf das Mädchen zu, nahm ihr Köpfchen in beide Hände und gab ihm die gewünschte Haltung. »Ich bitte dich, sitze nur noch ein kleines Weilchen still, wir können ja dabei weiterplaudern. – Doch, um auf unser Gespräch zurückzukommen: jeder Mann und jedes Weib hat auf Erden seine Bestimmung zu erfüllen. Wäre es nicht besser, du überließest dem allgewaltigen Schicksale, das Rätsel deines Lebens weiterzuspinnen?« »Ich weiß nicht; das Schicksal scheint mir sehr langsam

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