Kapitel 1
»Ich habe Dir eine sehr ernste Mittheilung zu machen,« sagte der Major a. D. v. Trotten zu seinem Sohne, den er in sein Arbeitskabinet gerufen, »setze Dich und höre mich mit Ruhe an – es handelt sich um eine wichtige Lebensfrage für Dich.« Auf dein sonst so freundlichen Antlitz des alten Herrn lagerte die Sorge, ihre Schatten machten den Blick des sonst so heiter schauenden Auges fast düster. Eduard war erschrocken, sein Vater gehörte nicht zu den Naturen, welche sich leicht der Unruhe und Angst hingeben, er hatte zahlreichen Stürmen des Lebens Trotz geboten und erzählte gern davon, wie ihn niemals das Vertrauen auf Gott und die eigene Kraft verlassen habe. Der alte Herr war mit einer sehr geringen Pension als Invalide aus der Armee geschieden, hatte in einer Civilanstellung bei der Armeeverwaltung lange gedient, sich den Titel Kriegsrath a. D., einen Orden und die Achtung aller seiner Vorgesetzten und Collegen erworben. Er hatte sich im Laufe der Zeit dann allmählig ein kleines Vermögen zusammengespart und gehörte in G. jetzt zu den angesehensten Personen des Ortes; was ihn beunruhigte, betraf also wahrscheinlich die Angelegenheiten Eduard's, und den jungen Mann beschlich eine Ahnung, als solle ihn ein Schlag da treffen, wo sein Herz am schmerzlichsten zu verwunden war. Derartige Ahnungen täuschen selten. »Lieber Eduard,« fuhr der alte Herr fort und blies den Dampf stärker aus