Chapter

1. Kapitel. Eine Landpartie.

»Kinder, is das 'ne Glut! Ich destilliere bei lebendigem Leibe!« – stöhnte Lotte Bach, die am Potsdamer Platz auf ihre Verwandten stieß. Sie hatte glühende Wangen und wischte mit dem Taschentuch über das feuchte Antlitz. »Ja, eine Bullenhitze!« – »Glaubst Du, wir frieren etwa?« – stimmten die anderen nach der Begrüßung in ihre Klage ein. – »Frieren ist eine ideale Idee heute! Ach, mein Winter! Der macht frisch und tüchtig; aber in dieser Hitze erschlafft man ja total! Und es giebt wohl gegen die Kälte, aber nicht gegen diese lähmende Glut Schutz. Selbst das Schwimmen hält nur eine halbe Stunde vor! Jedes Getränk macht mich noch heißer! Pfui Deibel, am liebsten legte ich mich auf irgend einen Diwan, streckte alle Viere von mir und –« – »Na, und? Leg los! Immer 'raus mit »Das junge Gemüse«!« – erwiderte der Vetter, welcher dieser wütenden Berlinerin immer im urwüchsigsten Tone und meist in Berliner Redensarten antwortete. Lotte lachte: »Ich kann jetzt die Südländerinnen verstehen. Wenn ich ein »Haziendadaemchen« aus Südamerika wäre, wo ja die Sonne nich doller brennen kann als heute im kalten Berlin, wa – haftig, ich pflanzte mich in eine Hängematte und ließe meine Sklavinnen antreten. Eine müßte Luft zufächeln. Eine mir Eisschokolade einlöffeln. Eine Musik machen, aber in anständiger Hörweite. Und die letzte müßte mir einen Roman vorlesen, der in Eis- und Schnee-Milieu spielt!«

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