1. Kapitel. Lotte Bach wird Schwiegermutter.
Lotte stand bei Bachs in der Küche, beaufsichtigte das kochende Mittagbrot und rührte eine süße Speise an. Sie stöhnte wütend dabei, denn im Wohnzimmer lag aufgeschlagen ein hochinteressanter Roman, auf dessen Fortgang sie brannte. – Ferner stand ein Korb Strümpfe zum Stopfen neben dem Nähtisch, und zuguterletzt lag auf ihrem Schreibtisch ein wissenschaftliches Werk. Dies arbeitete sie aus, um ihren Universitätsvorlesungen besser folgen zu können! – Was sollte sie nun zuerst thun? Oh, diese erbarmungslose Mutter! Agnes war auf dem Boden. Die Geheimrätin machte wie stets mit jüngeren Verwandten Einkäufe in der Stadt. Mit vollster »grausamer Tierquälerei« mußte Lotte daher, wie so oft, im Haushalte heran und helfen. – Plötzlich kam ihr eine Idee. Sie ließ die Reibe-Keule in dem süßen Brei stecken, raste nach vorn und holte sich das Bibliotheksbuch. Aus Töpfen und Tabletten wurde ein kunstvolles Lesepult errichtet, der Roman daraufgelegt. Nun ging es los! Heidi! – Mit der Rechten wurde gerührt. Die Linke hielt den Napf, und den Oberkörper in kühner Verrenkung vornüber geneigt, las sie mit glühenden Wangen. – So war es wenigstens nicht so langweilig! – Erst als fast die Klingel an der Entreethür abgerissen war, hörte sie, daß irgend jemand Einlaß begehrte. Ein Blick auf den Gasherd, und sie stiebte nach vorn, band hastig die Küchenschürze ab und öffnete. Ihr Bräutigam Willi Feller