Die Bibliothek
In der dunkel gebeizten Bibliothek im ersten Stockwerk seiner Villa schritt der Geheime Kommerzienrat nachdenklich auf und nieder. Von Zeit zu Zeit führte er die Cigarre an die Lippen, nahm ein paar Züge und stieß sinnend den Rauch aus. – Vor dem prachtvollen, geschnitzten Schreibtisch saß seine Gattin und schrieb hastig Namen auf ein Blatt Papier. Neben ihr auf der Lehne ihres Stuhles kauerte graziös ein junges Mädchen. Sie blickte neugierig über die Schulter der Mutter und flüsterte ihr immer neue Namen zu, die sie selbst von einer langen, zerknitterten Liste ablas. – In einem Lutherstuhle hockte bequem nachlässig ein junger Mann, dessen Gesicht von Erfahrungen sprach, die seinen Jahren entschieden noch nicht zukamen. In der anderen Ecke des Gemaches stand ein Diwan, der mit einem wunderschönen Eisbärenfell bedeckt war. Hier hatte es sich ein anderer Herr bequem gemacht, der mehr liegend als sitzend abwechselnd gähnte und rauchte. »Aber, liebste Rosa, noch nicht fertig?« – fragte er endlich in gelangweiltem Tone. »Sofort, Nicky, sei bloß nicht so ungeduldig!« – entgegnete sie besänftigend. Der Stift fuhr kritzelnd noch schneller über den Bogen. »Freiherr Tiede – – – Leutnant von Wülkes – – – Ihr beide – – – also, wie ich Dir sagte, Jaques! Im vorigen Jahre waren es ungefähr hundertundzwanzig, diesmal können wir auf einhundertundfünfzig Personen rechnen!« – – »Heiliger