Chapter

Erstes Buch

Kalypso war untröstlich über die Abreise des Ulysses. Im Gefühl ihres Schmerzes hielt sie es für ein Unglück, unsterblich zu sein. Ihre Grotte ertönte nicht mehr von ihrem Gesange. Die Nymphen, ihre Dienerinnen, wagten es nicht, mit ihr zu reden. Einsam wandelte sie oft auf den blühenden Auen, womit ein ewiger Frühling ihre Insel umgränzte. Aber diese schönen Oerter, weit entfernt, ihren Schmerz zu lindern, riefen nur das Bild des Ulysses in ihre Seele zurück, den sie daselbst so oft an ihrer Seite gesehen hatte. Oft stand sie unbeweglich an dem Gestade des Meeres, das sie mit ihren Thränen benetzte, und ihre Blicke waren unverwandt dahin gerichtet, wo das Schiff des Ulysses, die Wogen zertheilend, aus ihren Augen verschwunden war. Auf einmal erblickte sie die Trümmer eines gescheiterten Schiffes, zerbrochene Ruderbänke, ein Steuerruder, einen Mast, Taue, längs der Küste hinschwimmend, Ruder, da und dort auf dem Sande zerstreut. Alsdann entdeckte sie in der Entfernung zwei Menschen. Der eine schien alt zu sein, der andere, wiewohl noch jugendlich, glich dem Ulysses. Er hatte sein sanftes Wesen und seinen edlen Stolz, seinen Wuchs und seinen majestätischen Gang. Die Göttin erkannte in ihm den Telemach, den Sohn dieses Helden; aber so sehr auch die Götter die Menschen an Einsicht übertreffen, vermochte sie doch nicht zu ergründen, wer der ehrwürdige Greis sei, der den Jüngling

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