Erster Teil, Kapitel I
Wo der Rheinstrom in zahlreichen Mündungen die Nordsee, – »das germanische Meer« – erreicht, da wohnten um die Mitte des ersten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung, aus der heute noch nach ihnen benannten »batavischen« Insel und auf dem linken Ufer des Flusses die Bataver und, als ihre Nachbarn im Norden, auf dem rechten Ufer, die kleinere Völkerschaft der Kánnenefáien. Beide, nahe verwandt, waren schon lange bevor Julius Cäsar in Gallien erschien, hier eingewandert. Ursprünglich Gaue der Chatten – der heutigen Hessen – hatten sie die alten Sitze an Lahn und Fulda, die der rasch anwachsenden Volkszahl zu schmal gewordene Landmark, verlassen und waren allmählich – den Rhein hinab – weit nach Westen gezogen, hier neben den Galliern eine neue Heimat sich gründend. – Nur gar wenig war in all' der Zeit der Urwald gerodet worden, lediglich soviel das Bedürfnis erheischte für die wenigen Dörfer und für die zahlreicheren einsamen Einzelhöfe, die aus dem Holz der gefällten riesenhaften Bäume kunstlos aufgezimmert wurden. Allein stärker, eindringlicher noch als der Urwald verlieh der ganzen Gegend weithin das Eigenartige das Wasser: der Ursumpf. Wo nicht die natürliche Schutzwehr der Dünen und die noch wenig häufigen Deiche die See abhielten, mischte diese, bei jeder Flut weit in das Land hinein rollend, überall ihr Salz mit dem Süßwasser des Stromes, der, auf seinem ganzen Lauf