Erster Theil
» Wie strahlend sie wieder ist, wie schön!« murmelte ein junger Mann, während sein Blick begehrend einer Dame folgte, deren Zauber ihn so gefesselt hatte, daß er den älteren Herrn ganz vergessen, dessen Worten er soeben mit achtungsvollem Interesse gelauscht. Die Baronin von Stilten war im Saale erschienen und der junge Vertreter der Staats-Anwaltschaft, Paul Bentheim, hörte nur zerstreut auf die Deduction einer interessanten Frage, welche der Stadtgerichts-Präsident vollendete, bis endlich der Ausruf, der Bentheim entschlüpfte, den alten Herrn errathen ließ, daß er zu tauben Ohren spreche. Der Präsident lächelte. Er hätte mit Recht darüber zürnen dürfen, daß der junge Jurist dem älteren Collegen, der Assessor dem Präsidenten die Aufmerksamkeit versagte, aber die Baronin Stilten war eine so interessante und schöne Dame, daß das Alter nachsichtig sein und mit Seufzen die feurige Jugend entschuldigen durfte, wenn sie diesem Magnete nicht widerstand. Ueberdem befand man sich auf einem Balle und nicht in der Gerichtsstube, der Präsident handelte also schon tyrannisch, wenn er den jungen Mann, der gewiß darnach dürstete, den Damen zu huldigen, durch ein Gespräch festhielt. Paul Bentheim war erst seit einigen Monaten von der Residenz hieher, nach der Provinzialstadt B. versetzt worden, es war der erste Ball der die Elite der Gesellschaft von B. vereinigte und der junge Mann wurde