Die Antenne
Sieglinde von Lauken trat vom Fenster zurück, ließ den gelben Vorhang fallen und ging ins Nebenzimmer, wo die verwitwete Exzellenz von Lauken, eine Brille auf der spitzen, kampflustigen Nase, an einer Filet-Antik-Decke eifrigst stichelte und gerade das Muster abzählte. Sieglinde sagte atemlos: »Mama, sie haben sie wieder herausgestreckt … Mit dem Operngucker sieht man’s ganz deutlich …« Die Mama rief unwillig: »Still, Sigi … Ich zähle …« Die aschblonde Sigi schaute nach der Stutzuhr auf dem Damenschreibtisch … Dachte: »Wieder genau halb zwölf … Das fünfte-mal also …!« Ihre Exzellenz war jetzt mit dem Zählen fertig. »Also, was sagtest Du, Kind?« meinte sie, ohne von ihrer Arbeit aufzublicken. »Die Antenne ist wieder herausgeschoben worden, Mama …« Exzellenz zuckte die mageren Schultern … »Was geht Dich das an, Sigi! Wenn die Leute dort oben in der aufgestockten Wohnung Schwarzhörer sind, – mögen sie! Das muß jeder mit sich selbst abmachen. Eine Gemeinheit bleibt es stets, die Funkgesellschaft um die zwei Mark monatlich zu betrügen …« Sigi setzte sich in die Sofaecke. Ihr rundes frisches Gesicht war sehr nachdenklich. »Das sind keine Schwarzhörer, Mama … Die Leute haben ein Auto, haben echte Kelims an den Fenstern. Die Dame trägt einen Pelz, der mindestens zweitausend Mark wert ist …« »Der reine Steckbrief, Sigi!« Und jetzt schaute die Exzellenz auf und warf ihrer Einzigen einen