Erster Teil
Heimat! Das Wort gehört der Vergangenheit an. In einem Zeitalter, wo die Verkehrsgesellschaften zu Wasser und zu Lande – die Luft nicht zu vergessen – dafür gesorgt haben, daß jeder, der es sich leisten kann, in einem halben Dutzend Länder sich genau so zu Hause fühlt, wie in dem Orte, wo er geboren ist, hat das Wort seine Bedeutung verloren. Es gibt keine Fremde mehr und daher auch keine Heimat. Man wandert auch heute nicht mehr aus. Man reist nach Amerika, nach Canada und nach Brasilien in der Hoffnung, dort bessere Existenzbedingungen zu finden, aber man tut es nicht mehr mit dem Gefühl, eine Heimat aufzugeben und sich dort eine andere zu suchen. Es ist nicht viel anders, als wenn man nach einem fremden Orte in Deutschland zöge, nur daß die Entfernung etwas größer ist. Das ist schade. Es war etwas so Schönes um die Heimat. Das wußten am besten alle diejenigen, die hinausgegangen waren in die Welt, und die die Erinnerung an die Heimat nie mehr verließ, auch wenn ihnen die Ferne alles gab, was sie erhofft hatten. Die neue Zeit gleicht alles einander an. Sie hat den Chinesen die Zöpfe abgeschnitten und den türkischen Frauen den Schleier genommen; der Rundfunk versorgt uns täglich und stündlich mit Nachrichten aus der ganzen Welt, und der Film führt uns die entlegensten Gegenden im belebten Bilde vor. Wir haben aufgehört, Heimatbürger zu sein und sind Weltbürger. Schade! – – –