Chapter

Kapitel I

Es war am Patronstage des Gaus. Das Städtchen duftete wie ein Rosengarten in der Mittagssonne. Das feierliche Hochamt war vorüber, die Straßen hatten sich geleert, und aus den geöffneten Fenstern drang der Lärm der hastig Tafelnden, die sich zur großen Prozession bereit machten. Die Sonne lag breit auf den Dächern und spielte auf Girlanden und Triumphbogen, fing sich im Messinghelm eines Pompier, daß ein feuriger Brand im Metall aufflammte und bog die zahllosen Rosenblättchen, die das höckerige Pflaster mit einem bunten Teppich deckten, zu winzigen Muscheln und Kähnen zusammen. Die Luft wallte spiegelnd in den Gassen, in purpurner Bläue wölbte sich der Himmel über dem alten Städtchen, und helle Rauchfähnlein stiegen aus den spitzen Kaminen kerzengerade, zierlich gedreht, hoch und höher empor, bis sie im Blau sich unter den kreuzenden Schwalben verloren. In den Hecken, die den alten, längst zugeschütteten Wallgräben folgten, lärmten die Sperlinge und schrieen den Triumph des Tages aus. Der Lindengang an der verwitterten Stadtmauer stand in Blüte, und der zarte Wohlgeruch schwebte zu den Fenstern des alten Kollegiums hinauf, die von der Mauer herabschauten. Da öffnete sich ein Pförtchen der Stadtwehr, ein weißes Kleid wehte über die ausgetretene Schwelle, und Kläre ließ das knarrende Schloß leise zufallen, um kein Echo zu wecken in dem verschlafenen Gebäude. Die Mittagsglocken

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