Chapter

Die Alpen

1729 Dieses Gedicht ist dasjenige, das mir am schwersten geworden ist. Es war die Frucht der großen Alpen-Reise, die ich An. 1728 mit dem jetzigen Herrn Canonico und Professor Geßner in Zürich getan hatte. Die starken Vorwürfe lagen mir lebhaft im Gedächtnis. Aber ich wählte eine beschwerliche Art von Gedichten, die mir die Arbeit unnötig vergrößerte. Die zehenzeilichten Strophen, die ich brauchte, zwangen mich, so viele besondere Gemälde zu machen, als ihrer selber waren, und allemal einen ganzen Vorwurf mit zehen Linien zu schließen. Die Gewohnheit neuerer Zeiten, daß die Stärke der Gedanken in der Strophe allemal gegen das Ende steigen muß, machte mir die Ausführung noch schwerer. ich wandte die Nebenstunden vieler Monate zu diesen wenigen Reimen an, und da alles fertig war, gefiel mir sehr vieles nicht. Man sieht auch ohne mein Warnen noch viele Spuren des Lohensteinischen Geschmacks darin. Versuchts, ihr Sterbliche, macht euren Zustand besser,Diese 10 Verse stehen nicht in der ersten Auflage. Braucht, was die Kunst erfand und die Natur euch gab; Belebt die Blumen-Flur mit steigendem Gewässer, Teilt nach Korinths Gesetz gehaune Felsen ab; Umhängt die Marmor-Wand mit persischen Tapeten, Speist Tunkins Nest aus Gold, trinkt Perlen aus Smaragd,Die berühmten Vogelnester, die in Indien unter den Leckerbissen ganz bekannt sind und die man zuweilen auch in Europa auf vornehmen

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