Die Ahnenprobe
In der Martisstraße konnten die Einwohner, deren Häuser oberhalb standen, genau am Morgen die Stunde wissen, wenn sie die Uhr überhört haben sollten. Pünktlich eröffnete sich am großen, mächtigen Hause, das man einen Palast nennen konnte, das Thor in der Zeit, die der Frühmesse kurz vorhergeht, und ohne Begleitung schritt dem Portier ein langer, alter Mann stumm und aufrecht wandelnd vorüber. Er war im Winter und Sommer in einen Scharlachmantel gehüllt, dessen Kragen von einer goldenen Tresse umgeben war, sein weißes Haar war vom Puder noch heller und mit einem dreieckigen kleinen Hute, von weißen Federn umlegt, bedeckt. In der Hand trug er ein langes spanisches Rohr, mit hohem goldenen Knopfe und einer glänzenden Schnur geschmückt; er stützte sich im Gehen auf diesen Stab, indem sein bleiches Gesicht mit den schwarzen Augen geradeaus sah, ohne rechts und links irgend etwas zu beachten, so daß auch die Nachbarn, die seine Gemüthsart kannten, ihn nicht mit Grüßen oder Zeichen der Ehrfurcht behelligten, oder seinen Weg zur Kirche störten. Weder Kränklichkeit noch Vorfälle in seiner Familie konnten den Grafen Seestern, den Oberkämmerer, von diesem frühen Gange zur Kirche abhalten. Aber eben so pünktlich war er in seinen Functionen am Hofe, er erschien niemals um eine Minute zu spät oder zu früh, niemals hatte er seit zwanzig Jahren ein Geschäft, welches ihm oblag, wenn es auch