Die Affäre Doktor Gudor
1. Kapitel. Es war am Tage nach der kleinen Einweihungsfeier unseres neuen Hauses und genau acht Tage nach unserer Rückkehr aus Kalifornien, also am 16. März. Wir hatten beide einen gelinden Kater. Unser Freundeskreis hatte dem neuen Weinkeller bis vier Uhr morgens alle Ehre angetan, und besonders Doktor Gudor war glänzender Laune gewesen. Wir kannten ihn erst wenige Tage, denn er hatte sich während unserer Abwesenheit hier in Schmargendorf niedergelassen und uns schon am Mittag nach unserer Heimkehr einen Besuch gemacht. Doktor Udo Gudor war … Privatdetektiv. Durch eigene Gutmütigkeit und ein wenig Nachlässigkeit war er, bis dahin Rechtsanwalt und Notar, in eine böse Wechselaffäre verwickelt worden, und wenn er auch straffrei ausging, so war er doch in seinem bisherigen Wirkungskreis unmöglich geworden, hatte sein Grundstück in Swinemünde gegen ein nettes Häuschen in der Breiten Straße in Schmargendorf eingetauscht und wollte von dem ganzen Anwaltsberuf nichts mehr wissen, sondern schwang sich kühn auf sein stets sorgsam gepflegtes Steckenpferd, die Kriminalistik, und wurde eben Detektiv. Daß er uns sofort eine Antrittsvisite abstattete, war eigentlich selbstverständlich. Von seinem Auftauchen hier hatten wir bereits durch Haralds Mutter erfahren, und als er dann persönlich bei uns erschien, gefiel er uns vom ersten Augenblick an so sehr, daß sich schon in diesen wenigen Tagen