Was Man Mit Der Wahrheit Macht
Nach der Pause ging Pim zu Anya. Leise. Nur die beiden, beim Bücherregal.
„Anya", sagte er. „Ich glaube, du hast etwas, das nicht dir gehört."
Anya wurde sehr rosa.
„Nur ein Stift", sagte sie.
„Mehr als ein Stift. Der Spitzer. Die Aufkleber. Das war Lilas."
Anya sagte nichts. Dann sagte sie ganz leise: „Ich wollte es nicht. Beim ersten Mal. Ich hab nur — den Spitzer gesehen. Ich hatte meinen verloren. Ich dachte, ich gebe ihn zurück. Dann hab ich es nicht. Dann war es einfacher, mehr Sachen zu nehmen. Es tut mir leid."
Pim nickte.
„Ich finde, du solltest sie zurückgeben. An Lila. Selbst. Und sag ihr, dass es dir leidtut."
„Sagst du es der Lehrerin?"
Pim dachte nach.
„Nein", sagte er. „Nicht, wenn du es in Ordnung bringst. Aber du musst es wirklich in Ordnung bringen. Nicht nur Entschuldigung sagen. Gib alles zurück. Und nimm dann nichts mehr."
Anya nickte.
An jenem Nachmittag gab Anya Lila einen kleinen Haufen: den Spitzer, drei Stifte, die Aufkleber und den neuen Stift mit dem grünen Punkt. Sie entschuldigte sich. Lila war lange still. Dann sagte sie: „Okay. Aber bitte nicht mehr."
Anya versprach es.
Pim schrieb in sein Notizbuch:
*Fall 9: GELÖST.*
*Ursache: Kleine Sachen, die zu größeren werden, weil das erste Mal einfach war.*
*Lehre: Wenn du die Antwort findest, denk darüber nach, was du damit machst. Manchmal muss die Wahrheit sanft behandelt werden.*
Er