Die Abenteuer in Prag
Ueber fremde Wege wölbt sich der eigene, und manchmal kommt einer vom verklärten Urwald her: aus dem Lande Vergangenheit. Stehend auf unserem Viadukt, schauen wir auf die fremde Straße hinunter, stemmen unsere Gedanken gegen die Strömung, wollen zu den Quellen. Zu den Quellen im verschwundenen Land. Neugierde überwog Modergeruch und Befangenheit, wenn man zu Tante Lotti kam, und sie saß mit vibrierender Unterlippe, pendelhaft schwingenden Händen, neunzigjährig, hundertjährig, ich weiß es nicht, in Häubchen und Biedermeierkleid im Biedermeierzimmer auf ihrem Kanapee, dem Fenster nahe. Nie habe ich sie anders gesehen, als in ihrer Wohnung im Hause »Zur Stadt Moskau«, Seilergäßchen (Ecke Brückel), auf dem Sofa beim Fenster. Ob sie groß war oder klein war, – kann es nicht sagen. Kind noch war ich, und sie war meiner Großmutter, Marie Kuh, geborenen Fischel, bedeutend ältere Schwester. Meine Großmutter, die ich kaum gekannt habe, hat Tante Lottis Mann kaum gekannt. Denn Tante Lotti war sechzig Jahre Witwe. Charlotte Steinhardt hieß sie. Sie hatte zu erzählen von Kaiser Franz und Kaiser Ferdinand, und dem Buberlkaiser Franz Josef, vom Preußeneinzug in Prag, vor dem sie mit meiner damals noch ganz kleinen Mutter nach Pilsen geflüchtet war, von Barrikadenkämpfen. Wie sie gerade auf dem Obstmarkt einkaufen wollte, als man die Fürstin Windischgrätz erschoß. Manchmal verwechselte sie 1848