Chapter

Erstes Kapitel Hadschis Geburt und Erziehung

Mein Vater Hassan Kerbelāi war einer der renommiertesten Barbiere Ispahans. Er zählte kaum siebzehn Jahre, als er sich mit der Tochter eines Krämers aus der Nachbarschaft verheiratete; doch da der Ehe der Kindersegen versagt blieb, kümmerte sich mein Vater, wohl aus diesem Grunde, wenig um seine Frau. Seinem gewandten Rasiermesser verdankte er nicht nur hohes Ansehen, sondern auch einen großen Zulauf von Kunden, besonders unter den Kaufleuten; und nach zwanzigjähriger, saurer Arbeit glaubte er die Zeit gekommen, sich eine zweite Frau in seinem Harem vergönnen zu dürfen. Einem reichen Geldwechsler hatte er alle diese Jahre mit solcher Meisterschaft den Kopf rasiert, daß ihm dieser ohne jede Schwierigkeit die Hand seiner Tochter zusagte. Nicht nur, um den lästigen Eifersuchtsszenen der ersten Frau wenigstens für einige Zeit entrückt zu sein, sondern auch, um sich bei seinem reichen Schwiegervater ins beste Licht zu setzen, der zwar notorisch Geldstücke beschnitt und für vollwertig ausgab, aber doch gerne den Heiligen spielte, unternahm er mit seinem jungen Weibe die große Pilgerfahrt nach dem hochberühmten Grabe Husseïns in Kerbela. Auf dieser Reise wurde ich geboren. Vor der denkwürdigen Reise war mein Vater kurzweg als Hassan der Barbier bekannt gewesen. Nachher aber legten ihm die Leute den ehrenvollen Titel »Kerbelāi« (einer der nach Kerbela gepilgert war) bei. Mir aber, den

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